Archiv der Kategorie: Satire

Sind sie noch normal?

Was immer Sie auch gerne in das Normale hinein philosophieren. Normal ist schlicht das, was der Norm, dem Durchschnitt entspricht. Also das was die Anderen genau so machen wie Sie und was Sie zum homogenen Teil der großen undefinierbaren Masse macht.

Ja, Sie sind normal, zumindest die meisten unter Ihnen. Da gibt es noch die einen oder anderen, die verzweifelt versuchen, nicht normal sein zu müssen. Aber die sind ja nicht normal! Normalität ist so beruhigend, die große Masse der Anderen schmiegt sich schützend um Sie und die feindliche Welt bleibt draußen. Dafür tun Sie gerne, was Normale so tun.

Sie lassen Ihre Diener sich zu Königen aufspielen und sich verschämt von diesen Politikern mit Postulaten wie „alternativlos“ belehren, aber halten sich für einen Verfechter der Demokratie. Sie zahlen für Medien die sich in der Entscheidungsgewalt dem Eigentum der Landesregierungen befinden und geben sich empört, wenn diese dann im Sinne ihrer Dienstherren, die Welt schön lügen. Sie haben eine Kreditkarte, eine Lebens- und eine Rentenversicherung, aber erklären Ihren Freunden, dass sie die Gefahren des Kapitalismus schon lange verstanden haben. Sie tun was alle tun, Sie sind normal.

Große Demonstrationen begeistern Sie und Sie wissen ganz genau warum gerade die Anderen die Idioten sind, aber gefallen sich in der Rolle des liberalen Demokraten. Sie kaufen Bio-Artikel, achten auf eine gesunde Lebensweise und sehen keinen Widerspruch zu ihrem Konsum an Pharmazeutika, um die Sie ihren Arzt, für jedes Wehwehchen anbetteln. Sie haben ein Ikea Wohnzimmer mit Sony-Flatscreen und fliegen im Urlaub am liebsten zu exotischen Zielen, aber rühmen sich ihrer tiefsinnigen Einsichten, zu den schlimmen Auswirkungen der Globalisierung. Sie sind ein Lügner, ein Selbstbetrüger und ein Moralist, aber Sie sind normal.

Es ist auch normal, das sie die nicht mögen, die noch nicht oder nicht mehr normal sein mögen. Das ist ja nicht normal! Sie verstehen ja auch nicht, das Anormalität für den normal ist, für den die Normalität anormal ist. Aber auch das ist normal.

Ich verbleibe in diesem Sinne
Heinz Sauren

Die Krönung der Schöpfung?

Kroneschöpfung

Der Versuch der Beschreibung des Menschen ist vielfach unternommen worden. Allen Beschreibungen ist jedoch gemein, dass sie aus der Sicht des Menschen selber vorgenommen werden und damit subjektiv waren und sind.

Es stellt sich die Frage: Wie sähe ein halbwegs objektive Betrachtung aus? Zum Beispiel durch einen ausserirdischen Besucher der Erde. Sein Urteil über den Menschen wäre unvoreingenommen.

Das erste Problem was ein solcher Besucher hätte, wäre die Stellung des Menschen zu deuten. Ein gängiges Mittel, um den Rang einer Rasse in einem Ökosystem zu erkennen, ist der populationsbiologische Erfolg. Dieses Kriterium würde einen Besucher zu dem Schluss führen, dass die Erde nicht der Planet des Menschen, sondern der Insekten ist. Keine andere Lebensform konnte eine so große Artenvielfalt und Anzahl einzelner Individuen hervorbringen.

Ein zweites Kriterium wäre der Einfluss einer Spezies auf ihr Ökosystem. Aufgrund der Zerstörungen, die der Mensch in diesem Ökosystem hinterlassen hat, würde ihm hier der Rang des Führenden zustehen, wobei fraglich bleiben würde zu welchem Schluss dieses bei einem Besucher führen würde.

Ein Besucher würde eine Definition der einzelnen Spezies vornehmen und käme bei der Rasse Mensch zu folgendem Ergebnis.
Der Mensch definiert sich anthropologisch als homo oeconomicus hervorgehend aus dem Homo sapiens, was soviel wie – der vernunftbegabte Mensch – bedeutet. Er ist erdgeschichtlich eine sehr junge Lebensform, die ihren evolutionären Zenith voraussichtlich in 3 – 4 Millionen Jahren erreicht. Die momentane Population beträgt ca. 7 Milliarden Exemplare – exponentiell anwachsend.

Der Homo Sapiens ist innerhalb der biologischen Systematik ein höheres Säugetier aus der Ordnung der Primaten. Er gehört zur Unterordnung der Trockennasenaffen und dort zur Familie der Menschenaffen. Der Homo Sapiens bildete sich vor rund 40.000 Jahren aus und ist die einzige bis heute überlebende Art der Gattung Homo – hervorgegangen aus dem Homo Erectus. Ein erwachsener Homo Sapiens erreicht eine typische Körpergröße zwischen 150 cm und 200 cm, wobei die Männchen eher größer und die Weibchen eher kleiner sind.

Zur Fortpflanzung paarbildend, ist die durchschnittliche Anzahl der Nachkommen pro Weibchen, ca. 2,5 überlebensfähige Exemplare. Die Sozialisierungsphase der Nachkommen beträgt 14 bis 18 Jahre. Durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 65 Jahren, wobei geographische Unterschiede zwischen 35 und 90 Jahren möglich sind. Notwendige Lebenserhaltungsressourcen sind: Sauerstoff und Stickstoff als Gasgemisch durch permanente Zufuhr als Lungenatmer sowie ein Wasserminimum von 2 Liter pro Tag sowie leicht zersetzbare organische Stoffe, für deren Gewinnung ca. 3,5 Hektar Fläche pro Exemplar notwendig sind.

Wie bei Wirbeltieren typisch lässt sich der Körper anatomisch in einen Stütz- und Bewegungsapparat, die inneren Organe, das Nervensystem und die Sinnesorgane unterteilen, welche im Vergleich zu anderen terristischen Phänotypen eher unterentwickelt sind. Er besteht aus 60 bis 70 % Wasser, etwa 20 % Proteinen, 15 % Fetten und 5 % Mineralien und anorganischen Stoffen. Insgesamt wird die chemische Zusammensetzung mit etwa 65% Sauerstoff, 18% Kohlenstoff, 10 % Wasserstoff, 3 % Stickstoff, 1,5 % Calcium und 1,0 % Phosphor sowie geringe Konzentrationen von Schwermetallen wie Eisen, Zink, Kupfer, Blei, Cadmium und Chrom angegeben. Das entspricht einem wirtschaftlichen Verwertungsgrad von ca. 3,- Euro pro Exemplar.

Durch die geringe biologische und wirtschaftliche Verwertbarkeit findet eine Entsorgung durch Vergraben oder Einäscherung statt. Hierbei verbleiben 2 bis 3 kg Asche, die zum größten Teil aus Tricalciumphosphat, einem wichtigen Mineraldünger, besteht. Die Rauchgas-Filterrückstände müssen wegen des hohen Schwermetallgehaltes als Sondermüll entsorgt werden. Den weiblichen Körper steuern durchschnittlich 1245cm3, den männlichen rund 1375cm3 Gehirnmasse, von der ca. 4% kognitiv aktiv sind.

Die soziale Struktur ist Rudel bildend und aggressiv verdrängend gegenüber anderen Phänotypen, aber auch innerhalb der Spezies selbst. Soziale Strukturen sind instabil, auf Basis der gegenseitigen Vorteilsnahme. Bei Populationsüberhängen ist eine deutliche Neigung zur Selbstdezimierung in Form von Gewaltakten oder Ressourcenausbeutung erkennbar.

Die phänotypische Besonderheit der Vernunftbegabung, ist vornehmlich destruktiv in Bezug auf das Ökosystem, was auf ein geringes Maß kognitiver Kompetenzen schließen lässt.

Überlebensstrategien der Gesamtpopulation sind nicht erkennbar. Die Überlebenswahrscheinlichkeit der Population ist in 100 Jahren größer als 90 % und in 500 Jahren kleiner als 10 %.

Zusammenfassend ist die Stellung des Menschen für das Gesamtsystem Erde parasitär, in Interaktion mit anderen Phänotypen aggressiv verdrängend und für sich selbst destruktiv.

Eigendefinition des Phänotyp Mensch: Dei Krone der Schöpfung.

Intelligenz – Eine Satire

intelligenzkarrikatur

… nun, wie alles anfing, können wir heute nicht mehr sagen“, referierte der Dozent zum Thema. „Sicher ist, dass wir, um die Betroffenen nicht zu beunruhigen, diese als Patient N wie Normal bezeichnen. Die Fachbezeichnung lautet: faktische Intelligenz. Offensichtlich ist der Erreger latent im Menschen vorhanden. Mit Hilfe der grundlegenden Erkenntnissen des Kollegen Sigmund Freud und anderer Vertreter seiner Zunft ist es uns jedoch gelungen bei den Betroffenen durch den gezielten Einsatz von Arbeits- und sorgfältig auf ihre Verträglichkeit getesteten Lernprogrammen eine soziale Unauffälligkeit mit vermindertem Leidensdruck zu erreichen. Die Patienten des Typs N sind jedoch unter ständiger klinischer Beobachtung zu halten.
Schwieriger ist die Lage bei den Patienten des Typs D als Kürzel der Typisierung Dumm. Trotz der pandemischen Ausbreitung in der Menschheit, konnte der Erreger noch nicht isoliert werden. Dieser Virus zeichnet sich dadurch aus, dass er denjenigen um die Erkenntnis seiner Existenz befreit, der von ihm befallen ist. Möglichkeiten der genetischen Übertragung werden weltweit diskutiert. Aber auch bei der Gruppe der Patienten D ist uns bereits vor geraumer Zeit der therapeutische Durchbruch gelungen. Durch genaue Reglementierung der konsumierten Informationen, trotz erhöhter Informationsresistenz, und dem frühzeitigen Einsatz einer lebenslangen Arbeitstherapie in – zur besseren Akzeptanz in Produktionsstätten umbenannten – Therapieeinrichtungen, kann heute diagnostiziert werden, dass die Patienten der Gruppe D keinerlei Leidensdruck mehr verspüren und eine völlige Sozialakzeptanz erreicht werden konnte.
Große Sorgen bereitet uns aber die Gruppe der Patienten K – für kritische Intelligenz. Bei dem Erreger scheint es sich um einen Virus zu handeln, der ähnlich wie bei Computerviren, quasi Huckepack, über ungefilterte Informationen den Patienten befällt. Es ist auffällig, dass sowohl Quantität als auch Qualität der Krankheit in kausalem Zusammenhang mit der Menge der ungefilterten Informationen zusammen zu hängen scheint. Das Krankheitsbild ist dramatisch. Mangelnde soziale Akzeptanz potenziert sich in gleichem Maße wie Therapieresistenz. Der Leidensdruck ist unterschiedlich hoch und kann in einigen Fällen Suizide auslösen. Die Krankheitsverläufe sind atypisch und ein Kontakt mit dem Patienten ist während des ganzen Krankheitsverlaufes problematisch aufgrund der Ansteckungsgefahr, wobei eine Übertragung auf den Typ N von höherer Wahrscheinlichkeit als auf den Typ D ist.

Aus diesem Grunde ist es angezeigt die betroffenen Patienten frühzeitig zu isolieren. Sollte eine Übertragung nicht sicher ausgeschlossen werden können, empfiehlt sich eine Therapie auf Basis der Psychopharmaka sowie eine Unterbringung in besonderen Therapiezentren unserer forensischen Psychiatrie.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren