Mythos Tod

sokratestod

Der Tod ist das zentrale Thema unseres Lebens. Biologisch beginnt unser Sterben mit unserer Geburt und ist als Ergebnis des Lebens unausweichlich.

Es ist heute zu beobachten, dass die gesamte Gesellschaft mit der Angst vor dem Tod mobilisiert wird. Wir können diesen Gesundheits- und Fitnesswahn allerorten beobachten. Alles geschuldet dem Wunsch: dem Tod so spät und so vital wie möglich entgegen zu treten.

Dabei wusste schon Epikur und schrieb in einem seiner Lehrbriefe an Menoikeus: „Gewöhne dich auch an den Gedanken, dass es mit dem Tode für uns nichts auf sich hat. Denn alles Gute und Schlimme beruht auf Empfindung; der Tod aber ist die Aufhebung der Empfindung. Das angeblich schaurigste aller Übel also, der Tod, hat für uns keine Bedeutung; denn solange wir noch da sind, ist der Tod nicht da, stellt sich aber der Tod ein, so sind wir nicht mehr da“.
Die Frage ist, ob es wirklich Sinn macht sich dem Wahn – dem Tod – davon laufen zu wollen, zu unterwerfen und damit von uns sagen können, wenn wir in das finale Ziel unseres Lebens einlaufen, von dem wir nicht einmal wissen wo es ist, dass wir länger unterwegs waren als ein anderer.

Ein Wanderer, der nicht das Ziel im Auge hat und sich auf seinem Weg die eine oder andere Rast gönnt, scheint mir den besseren Weg gefunden zu haben, da er sich sicher sein kann, das Ziel nicht erreichen zu müssen, denn er wird die Ziellinie überschreiten, ohne sich dessen bewusst geworden zu sein.

Auch wenn der Tod das Ende der Empfindungen ist, scheint es doch unwahrscheinlich, dass er das Ende der Existenz ist. In der Welt der Materie, zu der wir uns auch zählen dürfen, ist es einfach unmöglich sich in nichts aufzulösen. Materie verschwindet nicht und wir somit auch nicht. Mit dem Tod kehren wir in den großen Kreislauf zurück, aus dem wir gekommen sind und uns sogar während unseres Lebens befinden.

Die phänotypische und persönliche Verkettung der Moleküle, die unseren persönlichen Auftritt in der Materie als Mensch ausmachte, löst sich mit dem Tod auf, aber nicht die Atome oder subatomaren Teilchen selbst, die in ihrer Summe uns ausmachten. Sie kehren zurück in den Kreislauf und schaffen neue Verbindungen oder schließen sich bestehenden Verbindungen an.

Der Tod ist nicht das Ende der Existenz, sondern ein Prozess der Auflösung und Umformung. Die Teile, die unser Ganzes in biologischer Hinsicht ausmachten, finden schnell neue Formen und nehmen weiter an dem Kreislauf teil in dieser einen von uns aktuell erfassten Welt – diesem Universum -, welches nur eines von einer unendlichen Anzahl anderer ist, in denen die Auflösung und Umformung in dieser Welt keine Bedeutung für eine Existenz oder Weiterexistenz in einer anderen Welt hat.

Aber was passiert mit unserer Seele oder unserem Geist? Sind unsere Gedanken dann auf ewig verloren und unsere Persönlichkeit erloschen? Gedanken lassen sich in Form von elektromagnetischer Spannung messen; eine in der Neurobiologie standardisierte Methode. Die Gedanken verhalten sich ähnlich der Quanten. Unabhängig, ob es möglich ist den Inhalt eines Gedanken zu enträtseln. So bedeutet dieser Nachweis in erster Linie, dass es sie in einer Form gibt, die physikalisch messbar ist. Alles, was physikalisch messbar ist, folgt zum Zeitpunkt der Messung auch physikalischen Gesetzen und damit trifft auf unsere Gedanken ebenfalls zu, dass sie nicht in nichts aufgelöst werden können. Auch sie bleiben existent, wobei davon ausgegangen werden kann, dass ihre Existenz in einem parallelen Universum von unserem Tod in dieser Welt nicht einmal gefährdet ist.

Da wir mit denen uns heute zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Methoden noch nicht alle Umstände dieses Vorgangs erklären können, fällt es schwer sich eine Vorstellung davon zu machen. Wenn auch aus wissenschaftlicher Sicht vieles für die Existenz eines Multiversum, also einer unendlichen Anzahl von real existierenden Welten, in denen unser jetziges, unser scheinbar vergangenes und unser mögliches zukünftiges Sein von hoher Wahrscheinlichkeit ist, bleibt es bis zur endgültigen Beweisfindung eine persönliche Überzeugung, die uns den Tod als einen Umformungsprozess darstellt, in dem nichts verloren geht, außer die persönliche Empfindung in dieser einen Welt, wie Epikur es beschrieb.

Nicht der Tod sollte uns beunruhigen, er hat nur eine Existenz und einen Schrecken in den Augen derer, die noch nicht gestorben sind, sondern das Sterben und das können wir, wenn wir uns mit der Unausweichlichkeit des Sterbens konfrontiert sehen, selber bestimmen, sofern wir die Kraft dazu aufbringen.

Ich empfehle mich in diesem Sinne

Heinz Sauren

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Mensch und Natur

Potd 16.09.2012

Die Natur ist das uns umschließende Ökosystem, dessen wir nur ein Bestandteil sind. Unsere Rolle, die wir in diesem System haben, ist die eines Gastes. Eines Gastes, der nur solange geduldet wird, wie sein Platz, den er innerhalb des Ökosystems einnimmt, für das System selber sinnvoll ist. Um einen sinnvollen Umgang mit der Natur zu definieren, ist es zuerst notwendig unseren eigenen Standort in der Natur zu bestimmen. Hier ergibt sich bereits die erste Schwierigkeit, da jeder Versuch unsere Stellung in der Natur zu definieren zuerst von der maßlosen Selbstüberschätzung unseres Anspruches – die Krone der Schöpfung zu sein – behindert wird.

Alle Versuche der Vergangenheit litten an der Unmöglichkeit einer exakten Positionsbestimmung innerhalb des Systems. Zwar ist diese Standortbestimmung vielen von uns möglich, aber wir verlassen den Standort wieder, wenn wir zulassen sollen, dass dieser auch Basis einer Betrachtung der Sinnvolligkeit sein soll und damit unsere zivilisatorischen Errungenschaften zur Disposition stehen könnten. Folgerichtig sind alle Versuche der Politik Programme in die Welt zu rufen, deren Ziel ein verträgliches Leben des Menschen mit der Natur sein sollte, aus diesem Grunde gescheitert und werden auch in Zukunft scheitern, solange es uns nicht gelingt unsere Ausgangsposition nicht an unseren Wünschen zu messen, sondern an den natürlichen Vorgaben, die uns als Mensch und Teil eines geschlossenen Ökosystems ausmachen.
Unsere überhebliche Sichtweise der eigenen Stellung in unserem Ökosystem führt zu dem Trugschluss, auf dem unser Verhalten innerhalb dieses Systems beruht. Wir glauben, dass wir auf dieser Erde schalten und walten können, wie es uns beliebt und betrachten Naturschutz als eine drittrangige Notwendigkeit, die wir in den Bereichen der Natur vollziehen können, die wir für uns nicht beanspruchen und das auch nur, wenn es nicht zu kostenintensiv ist.
Entgegen beruhigender Aussagen, dass wir noch Zeit hätten die offensichtliche Umweltkatastrophe abzuwenden, muss mit absoluter Deutlichkeit festgestellt werden, dass wir über diesen Punkt bereits hinaus sind. Das, was wir an ökologischen Schäden verursacht haben, ist nicht mehr rückgängig zu machen. Die Katastrophe ist aus Sicht des Menschen bereits eingetreten. Der größte Teil unserer Gewässer und der Luft, die wir atmen sowie unsere Nahrung als Ertrag der Böden sind bereits krank machend verschmutzt, aber die großen plakativen Ausmaße wie zum Beispiel der im Pazifik schwimmende Teppich aus Plastikmüll von der Größe Europas werden uns weiter ausgeblendet. Beruhigende Worte sind nicht nur unangebracht, sie gleichen einem höhnenden Abgesang auf eine Welt; eine Umwelt, die uns nicht so wichtig war wie unser persönlicher Konsum.
Neutral betrachtet tötet die Umweltverschmutzung und ihre Folgen pro Jahr – gemäß einer Studie der UN – über 50 Millionen Menschen. Den größten Teil durch direkte oder indirekte Vergiftungen sowie unzählige Tiere und Pflanzen. Das sind ungefähr so viele Menschenopfer, wie durch den gesamten zweiten Weltkrieg im Laufe von 6 Jahren zu beklagen waren, wenngleich dieser ungleich weniger Spätfolgen verursachte und zeitlich begrenzt war. Beide Katastrophen waren vermeidlich, beide von Menschen verursacht und beide die Folge einer Ideologie. Einmal des Nationalsozialismus und einmal des Kapitalismus. Warum aber fühlte sich in dem einen Falle die Menschheit berufen unter Aufbringung größter Kraftanstrengungen und vieler Menschenopfer die Katastrophe zu beenden, während in dem andern Falle mit weit mehr zu beklagenden Toten die Menschheit wegschaut und die Situation bagatellisiert, ja sogar vor Aktionismus warnt. Der Grund für diese rational nicht nachvollziehbare Haltung ist nicht nur, dass wir in dem Fall der Umweltverschmutzung jeder selbst ein Teil der monströsen Maschinerie sind, die sie verursacht, sondern auch, dass wir von ihr profitieren. Die Wirtschaft stellt sich auf diese Tatsache ein und versucht mit neuen Technologien und Produktionsmitteln die Folgen zu begrenzen, die sie selbst geschaffen hat. Nicht in dem Ausmaße, wie es in einem Mindestmaße rational nachvollziehbar wäre, sondern in dem Maße, wie sie neue Technologien vorhalten kann durch die sie alte ersetzt, um keine Profiteinbrüche zu riskieren. Nicht der Wille zur Einsicht treibt uns an, sondern die Aussicht auf einen neuen Markt, den die Wirtschaft mit den gleichen Mitteln kontrollieren möchte, die schon jetzt die Katastrophe erst möglich machten.
Was uns eine Einsicht aber so schwer macht, ist der fehlende Wille jedes einzelnen von uns diese Einsicht auch umsetzten zu wollen, da das die Vertreibung aus dem Paradies des uneingeschränkten Konsums zur Folge haben könnte – der heilige Gral des ewigen Fortschritts wäre entweiht. Wir beruhigen unser einsichtsresistentes Gewissen, das Umweltverschmutzung in erster Linie für eine überzogene Begründung der Öko- Intelligenz hält, mit Hilfe derer uns die Statussymbole unseres Konsumerfolges missgönnt werden sollen. Selbst wenn es dann an den eigenen Krebs- oder Herztod geht, glauben wir an eine schicksalhafte Fügung, um uns nicht eingestehen zu müssen Opfer der eigenen Gier geworden zu sein.
Aus einer vermessenen Selbsteinschätzung leiten wir den Schluss ab, dass es der natürlichste Zweck der Menschheit ist immer mehr besitzen zu können – ein pseudoreligiöser Fortschrittsglaube – und glauben diese Habgier auf Kosten jedes Lebewesens auf diesem Planeten durchsetzen zu dürfen – ein Leben vernichtende Erhabenheit.
Wir sind ein relativ großes Säugetier und brauchen große Ressourcen, die im Wesentlichen aus einer Vielzahl anderer Tiere und Pflanzen bestehen. Unser Kommen und Gehen auf diesem Planeten ist den grundsätzlichen Gesetzen der Evolution unterworfen. Das macht unsere Spezies zu einem der ersten Anwärter, die vom Aussterben bedroht ist, und wir können sogar den Zeitpunkt berechnen. Dieser ist, und das gebieten die Gesetze der Evolution, zeitgleich dem Aussterben der letzten Pflanzen und Tiere, die wir für unser Überleben benötigen. Dabei muss nicht die Masse aller, die wir benötigen, ausgestorben sein, es reicht wenn es eine Pflanze oder ein Tier trifft, das wir nicht ersetzen können. Diese Pflanzen und Tiere teilen mit uns die Erde. Die nutzbare Erdfläche ist ca. 51 Milliarden Hektar groß, davon sind aber nur 8,3 Milliarden Hektar biologisch produktives Land, welches von Menschen als Lieferant von Ressourcen genutzt werden kann. Bei einer Weltbevölkerung – derzeit circa 6,3 Milliarden Menschen – entspricht das einer Fläche von 1,3 Hektar, die pro Mensch zur Verfügung stehen. Dazu kann man noch 0,55 Hektar nutzbare Wasserfläche pro Mensch rechnen. Es ergeben sich also 1,85 Hektar Boden und Wasserfläche, die jedem Menschen zur Verfügung stehen und aus denen er alle seine Nahrungsmittel gewinnen muss. Da wir aber bestrebt sind das Biosystem als Ressource zu erhalten und damit auch in Zukunft noch ein Lebensraum für Tiere und Wälder erhalten bleiben soll, muss die Zahl auf 1,3 Hektar nutzbares Land und Wasserfläche pro Menschen reduziert werden. Diese Grenze der Ertragskapazitäten der Erde wurden schon in den 1970er Jahren überschritten und so nutzen wir schon heute 2,28 Hektar Land zur Nahrungsgewinnung eines einzelnen Menschen. Da die produzierbare Höchstmenge nicht gesteigert werden kann, denn unser Globus wächst ja nicht, verbrauchen wir etwas, was wir nur können, wenn es einem anderen Menschen fehlt. Dieser Umstand, dass ein Teil der Menschheit einem anderen die Nahrung entzieht, wird sich nach Schätzungen der UN durch immer weiter wachsenden Konsum dramatisch weiter verschlimmern. Schon bis zum Jahr 2030 wird die benötigte Fläche pro Mensch auf 3,5 Hektar anwachsen. Bis dahin wird sich die Weltbevölkerung ein weiteres Mal verdoppelt haben und ca. 15 Milliarden Menschen betragen. Die zur Verfügung stehende Fläche wird dann nur noch 0,55 Hektar betragen. Zu unserem eigenen Schutz, dem Schutz der Menschheit als Spezies, brauchen wir eine neutrale Standortbestimmung unserer selbst und die beginnt nicht mit Gesetzesvorlagen unserer Politiker, sondern in unseren eigenen Köpfen und äußert sich in unserem Umgang mit der Natur als einzelner Mensch.
Der Wille nicht in die Vorgänge der Natur einzugreifen ist der Wert, mit dem wir der Natur begegnen müssen, um in ihr Leben zu können. In der Natur ist das kleinste Blatt und das geringste Tier nicht Selbstzweck, sondern erfüllt eine Aufgabe in dem System, auf dessen Erfüllung wieder andere Tiere und Pflanzen angewiesen sind. Im Regelfall wissen wir persönlich kaum etwas über diese, für die einzelnen Arten überlebenswichtigen, Zusammenhänge und gehen mit dem, was wir nicht verstehen, sehr sorglos um. Wir müssen einen respektvollen Umgang mit der Natur lernen und das bedeutet, auch wenn wir nicht verstehen nach welchen Mustern die Natur in Interaktion steht, so müssen wir dennoch Zurückhaltung üben und dürfen nur sowenig wie möglich in ihre Abläufe eingreifen.
Es ist die Verantwortung und Aufgabe jedes einzelnen Menschen – jeder Kreatur -, die die Natur hervorgebracht hat, sei sie Pflanze oder Tier, den gleichen Rang einzuräumen.
Die vielfältigen Programme der Politik, die den plakativen Namen Umweltschutz tragen, sind nichts weiter als Augenwischerei, die unser Umweltgewissen beruhigt und uns ein Weitermachen der Naturverschmutzung erlaubt. Dass Umweltschutz nicht Naturschutz ist, ergibt sich schon aus der Begrifflichkeit. Der Begriff Umweltschutz sieht den Menschen als zentralen Ausgangspunkt und beschreibt den Schutz der Welt, die den Menschen direkt umgibt, also seine Umwelt. Der Auftrag des Umweltschutzes ist also die Erhaltung der Umwelt des Menschen und folgerichtig ist sein Handeln. Jegliche Verunreinigung wird aus dem Fokus des Menschen verbannt und in der Natur abgelegt, was gemäß der Definition kein Widerspruch ist. Der Naturschutz hingegen geht von einem zentralen Ausgangspunkt der Natur aus, also des gesamten ökologischen Systems. Naturschutz und Umweltschutz konkurrieren miteinander, da sie unterschiedlichen Zielen folgen. Maßnahmen des Umweltschutzes können die Natur schädigen und Maßnahmen des Naturschutzes hätten deutlichste Einschränkungen für den Menschen zur Folge. Bezeichnend für die bewusste Missdeutung der Begriffe ist der Sprachgebrauch der Politik. Sie redet von Umweltschutz und meint diesen auch, suggeriert aber eine Deckungsgleichheit von Natur- und Umweltschutz. Eine arglistige Täuschung, die unter dem Deckmantel des Richtigen erlaubt das Falsche zu tun. Die Bilder der Naturverschmutzung und des Klimawandels sind allgegenwärtig und alle sind sich der Schrecklichkeit dieser Zustände einig. In ihrer Entrüstung steht die Menschheit medienwirksam zusammen.
Doch selbst angesichts dieser Umstände vermögen wir nicht unsere überhebliche Sichtweise aufzugeben. Wir fordern Umweltschutz und tragen diese Forderung plakativ auf unseren Fahnen, doch wir meinen nicht den Schutz der Natur, sondern nur den Schutz des Teiles, den wir als unsere Umwelt definieren und sind uns selbst auf diesem Gebiet noch uneinig. Das allgemeine Schreckgespenst unserer Zeit ist die Klimaerwärmung. Zwar ist dieses Problem nicht neu, aber neuerdings ist die Politik sich einig, dass dieser Zustand bekämpft werden muss. Der Mensch hat der Klimaerwärmung aufgrund der zu erwartenden Kosten für die Volkswirtschaften den Kampf angesagt. Zu Beginn dieser Kampagne wurden Heerscharen von Wissenschaftlern aufgefahren, die unisono versicherten die Klimaerwärmung sei begründet in der durch den Menschen verursachten Luftverschmutzung. Zwischenzeitlich wissen wir, dass die Erwärmung und Abkühlung des weltweiten Klimas ein immer wiederkehrender Prozess ist, in dessen Verlauf wir uns in einem Zyklus der allgemeinen Erwärmung befinden, den wir mit Hilfe der Luftverschmutzung nur unwesentlich beschleunigen. Ob wir die Luft oder die Natur verschmutzen, ob wir die Ressourcen ausbeuten, oder nicht, ist für das Ökosystem Natur völlig ohne belang. Wir als Menschheit sind für das System Natur unbedeutend. Das, was wir Umweltverschmutzung nennen, ist aus Sicht der Natur nicht einmal vorhanden. Wir glauben die Luft zu verschmutzen und damit die Natur. Wir verschmutzen dadurch nur unsere Umwelt, aber nicht die Natur. Aus unserer Sicht tritt die Verschmutzung durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen ein. Chemisch gesehen wird bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe CO2 freigesetzt. Dieses freigesetzte Kohlendioxid entspricht aber genau der Menge an Kohlendioxid, die die Pflanzen, die später zu fossilen Brennstoffen wurden, zuvor der Atmosphäre entzogen haben. Es kommt also nichts hinzu, sondern etwas wieder in die Atmosphäre zurück, was bereits zuvor in ihr war. Für die Natur ist das kein Problem, sie erhöht die Temperatur, sorgt damit für mehr Pflanzenwuchs, die das CO2 wieder aufnehmen werden und pendelt sich auf einem anderen Level wieder ein.
Ein Problem besteht nur für einige Großsäugetiere, wie den Menschen, die mit einem anderen Luftgemisch nicht zurechtkommen und deren Nutzpflanzen und Tiere aufgrund veränderter Wachstumsbedingungen wegfallen.
So verhält es sich auch mit allen anderen Umweltverschmutzungen. Wir schaffen keinen Müll, der dann die Natur verschmutzt. Wir ändern nur die Aggregatzustände der Dinge, um sie für uns nutzbar zu machen. Diese waren vorher und bleiben nachher Bestandteile der Natur. Auch verschmutzte Natur ist Natur, nur keine Umwelt mit der wir leben können.
Die Natur wird auch in Zukunft Warm- und Eiszeiten einleiten, wird Wüsten entstehen und Ozeane ansteigen lassen und sie wird auch in Zukunft nicht das Fehlverhalten von Menschen benötigen, um Polkappen abzutauen und Küstenbereiche zu fluten. Wir werden noch beweisen müssen, ob wir ein Erfolgsmodell der Natur sind und uns ihr anpassen können oder vielleicht doch nur eine hoch spezialisierte Rasse mit einem nur kurzen Gastspiel auf der Erde. Die Natur braucht den Menschen nicht, aber der Mensch die Natur. Es ist beschämend, wie dumm sich eine Spezies verhalten kann, die von sich selbst behauptet vernunftbegabt zu sein.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

Freiheit

In der Bemessung der Wertigkeit der Rechte, die uns als Mensch allein durch die Tatsache unserer Existenz gebühren, steht das Recht auf Freiheit gleich nach dem Recht auf Leben an vorderster Stelle. Es handelt sich hierbei um ein natürliches Grundrecht, welches jedem Wesen uneingeschränkt gegeben ist und uns alle in dem Wunsch frei sein zu wollen miteinander eint. Doch was beinhaltet dieses Recht auf Freiheit, dessen Schutz und Wahrung uns sogar wert ist dafür in den Krieg zu ziehen. Das Recht auf Freiheit ist nur ein Obergriff für eine große Anzahl von Rechten, die sich aus einzelnen auf uns einwirkenden Umständen ergeben. Im allgemeinen Sprachgebrauch differenzieren wir in Redefreiheit, Handlungsfreiheit, Glaubensfreiheit, die Freiheit der persönlichen Entfaltung, die Gedankenfreiheit, die Wahlfreiheit und viele mehr. So selbstverständlich wie uns diese Freiheiten gegeben zu sein scheinen, so selbstverständlich wurden sie wieder beschränkt. Keine dieser Freiheiten steht uns wirklich zur Verfügung und, doch verteidigen wir ihre leeren Hülsen so vehement, dass wir sogar bereit sind dafür zu töten. Dies tun wir, indem wir unsere Regierungen in ihrem gespaltenen Verhältnis zur Freiheit gewähren lassen. Sie führen Kriege zur Verteidigung unserer ach so gefährdeten Freiheit. Soldaten töten und sterben im Namen der Verteidigung unserer Freiheit in Afghanistan, so ist die offizielle Lesart.
Offensichtlich sind die, die uns unsere Freiheiten gewähren, von dem Wissen um den Inhalt der Freiheit befreit; ein Umstand der Ihnen als Entschuldigung gelten soll, da ansonsten davon auszugehen wäre, dass ihr Handeln von böswilliger Natur sein müsste. Man folgt dem Grundsatz, dass es ausreichend ist zu glauben Freiheit zu besitzen.
Freiheit bedeutet: nicht handeln, dulden oder unterlassen zu müssen was dem eigenen Willen entgegensteht. Wer aber behauptet Freiheit müsse verteidigt werden, wir also auch etwas tun müssen, was wir nicht wollen, um sie zu erhalten, verkennt den Sinn der Freiheit, die nur dann gegeben ist, wenn sie erhalten bleibt, auch wenn wir sie nicht verteidigen, sofern wir das nicht wollen. Dann ist es keine Freiheit mehr, sondern ein zugebilligtes Recht, welches zwar freiheitliche Inhalte haben mag, aber keine Freiheit ist und dadurch, dass es nur ein Recht ist, uns auch jederzeit wieder aberkannt werden kann. Ebenfalls mit der Begründung zum Schutze der Freiheit vor Angriffen opfern die Regierungen die Rechte und Freiheiten der Bürger durch die Einführung von Gesetzen, die die Freiheit zu ihrem Schutze beschränken. Ein Widerspruch in sich, der das Handeln der Regierungen durch ihr eigenes Tun ad absurdum führt. Das Grundgesetz, welches der Garant unserer Freiheit gegenüber dem Staat sein sollte, wurde durch einen unauffälligen, aber bedeutungsschweren Satz ergänzt. Dieser heißt: „ Die Rechte können eingeschränkt werden, näheres regelt ein Gesetz“. Mit diesem Satz wurden die Freiheiten jedes einzelnen von unantastbaren Grundrechten auf die Basis von Gesetzen herabgestuft und somit ihre Gewährung eine Frage der Zubilligung von Regierungen.
Freiheit ist nur dann Freiheit, wenn die sich darauf bezogenen und geschützten Handlungen unter allen Umständen in ihrer Ausübung vor staatlichen Sanktionen geschützt sind. Ist sie es aber nur von Fall zu Fall, so unterliegt die Entscheidungsgewalt einem anderen, meist dem Staat; und Freiheit ist aus ihrem Sinn heraus nicht mehr Existent. Auch hier handelt es sich dann nur noch um ein zugebilligtes Recht, welches uns auch wieder entzogen werden kann, was im Sinne einer Definition zur Freiheit nicht möglich wäre. Nicht nur Redefreiheit und Gedankenfreiheit sind verstümmelt zu Freiheiten, die wir uns noch im stillen Kämmerlein gönnen dürfen. Ein offenes Leugnen des Holocaust erfüllt in Deutschland den Tatbestand der Volksverhetzung und kann mit Gefängnisstrafen geahndet werden. Sicherlich ist es unsinnig den Holocaust zu leugnen, ebenso wie es nachvollziehbar ist, dass die Opfer dieses als Kränkung empfinden. Freiheit würde aber bedeuten, das Recht auf eine eigene Meinung zu haben und diese auch äußern zu dürfen und sei sie noch so dumm. Es erfüllt heute ebenfalls einen Straftatbestand nicht für die staatliche Grundordnung einzustehen – ein Gedankenverbrechen, welches keiner Handlung, sondern nur eines Willens bedarf. Heute mag es die Leugnung des Holocaust oder die Infragestellung der freiheitlich demokratischen Grundordnung sein, aber nichts schützt uns davor, dass es morgen nicht andere Dinge sind, die unseren Regierungen dann nicht genehm sind. Da dieses im Ermessen anderer und nicht uns selbst liegt und von Konsequenzen begleitet ist, liegt gemäß der Definition keine Freiheit vor, da eine Freiheit immer nur dann gegeben ist, wenn die Entscheidung einer Aufhebung oder Eingrenzung der Freiheit nur uns selbst obliegt und nicht dem Willen anderer und seien es auch Regierungen.
Nicht tun zu müssen was man nicht will – der eigentliche Kern der Freiheit – ist eine Unmöglichkeit in jeder momentan zur Verfügung stehenden Gesellschaftsform, da ihre Gewährung jede staatliche Führung oder Kontrolle zu einer Freiwilligkeit werden lassen würde und es zu bezweifeln steht, dass überhaupt noch jemand den Zielen unserer Gesellschaft folgen würde, wenn er tatsächlich eine freie Wahl treffen könnte, ohne Führung und Kontrolle.
Der eigentliche Frevel im Umgang mit der Freiheit ist nicht sie nicht zu gewähren, sondern sie zu benutzen als wäre sie da, als hätte auch nur irgend jemand sie bereits, da hierdurch der Blick auf sie verstellt und das Streben nach ihr unterbunden wird. Es ist das Kalkül der banalen Weisheit, dass niemand sich um die Erlangung der Freiheit bemüht, wenn er in dem Glauben ist, dass er sie bereits besitze.

Kant und das Ding an sich

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Neben dem „kategorischen Imperativ“ ist es „das Ding an sich“, das die Tiefe dieses Großen Meisters der Vernunft ausmacht.

Für das bemerkenswerteste und überall präsente in unserer Welt schuf Immanuel Kant einen Begriff: Das Ding an sich. In seiner Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können, die 1783 veröffentlicht wurde, schrieb er:

„Ich dagegen sage: es sind uns Dinge als außer uns befindliche Gegenstände unserer Sinne gegeben, allein von dem, was sie an sich selbst sein mögen, wissen wir nichts, sondern kennen nur ihre Erscheinungen, d. i. die Vorstellungen, die sie in uns wirken, indem sie unsere Sinne affizieren. Demnach gestehe ich allerdings, dass es außer uns Körper gebe, d. i. Dinge, die, obzwar nach dem, was sie an sich selbst sein mögen, uns gänzlich unbekannt, wir durch die Vorstellungen kennen, welche ihr Einfluss auf unsre Sinnlichkeit uns verschafft, und denen wir die Benennung eines Körpers geben, welches Wort also bloß die Erscheinung jenes uns unbekannten, aber nichtsdestoweniger wirklichen Gegenstandes bedeutet. Kann man dieses wohl Idealismus nennen? Es ist ja gerade das Gegenteil davon.“
Die von uns erkannten Gegenstände der Welt sind nach Kant nicht die realen Dinge an sich, sondern nur Erscheinungen, die unabhängig von unserer Erkenntnis objektiv in Raum und Zeit vorhanden sind. Raum und Zeit sind vielmehr unsere Anschauungsformen oder Erkenntnisstrukturen, nach denen die Gegenstände geformt und in denen sie so erkannt werden, also nicht nur einige Eigenschaften der Dinge wie ihre Farben werden erst in dem Erkenntnisprozess geschaffen, sondern dieses Schaffen betrifft nach Kant auch die Grundstrukturen der Dinge, ihr Sein in Raum und Zeit.

Das an sich Seiende kennen wir nach Kant so gar nicht und weder die von uns erkannte Welt der Erscheinungen noch unsere von vornherein – a priori – vorhandenen Erkenntnisstrukturen wie die von Raum und Zeit haben mit dem an sich Seienden etwas zu tun. Daher kann nach Kant über die Dinge an sich oder der unserer Erscheinungswelt zugrunde liegenden Realität grundsätzlich nichts ausgesagt oder erkannt werden.
Wenn in dem revolutionierenden Denkansatz von Kant die von uns erkannte Welt bis in ihre Grundstrukturen von Raum und Zeit hinein in unseren Erkenntnisstrukturen geschaffen wird und wir die Dinge an sich oder die zugrunde liegende Realität daher in keiner Weise kennen oder erkennen, so heißt das nichts anderes, als dass diese von uns erkannte Welt nicht in der Weise objektiv vorhanden sein kann, wie wir das allgemein sowohl im Alltag als auch in der modernen Naturwissenschaft voraussetzen, empfinden und meinen. Wenn es dagegen irgend einen direkten Bezug oder eine Übereinstimmung in den Strukturen der von uns erkannten Welt und den realen Dingen an sich geben sollte, müssten wir genau darin die zugrunde liegende Realität entgegen der Aussage von Kant auch erkennen können und sei es nur indirekt durch das Denken.
Der so genannte naive Realist hält das, was er erkennt für die eigentliche Realität. Für ihn ist die Welt so, wie er sie erkennt wirklich und objektiv, also unabhängig von seiner Erkenntnis für Existent und ist unmittelbar die eigentliche Realität, die er in seinem Erkennen nur abbildet. Der heutige Naturwissenschaftler ist dagegen in der Regel ein kritischer oder hypothetischer Realist. Er weiß etwa, dass Farben nicht den Gegenständen, an denen wir sie erkennen, objektiv anhaften, sondern, dass sie erst in unserem Gehirn erzeugt werden. Doch trotzdem glaubt er im Gegensatz zum Idealisten Kant weiterhin, dass wir indirekt etwa durch das Denken die eigentliche Realität oder zumindest Teile davon erkennen können und, dass die Strukturen der von uns erkannten Welt irgendeinen Bezug zu einer wirklich objektiven von unseren Bewusstseins- und Erkenntnisstrukturen unabhängigen Realität haben, so dass sich darin die von uns erkannte Welt als objektiv und unabhängig von unserer Erkenntnis und unserem Bewusstsein und als wirklich existent seiend erweist.

Viele Naturwissenschaftler sehen als hypothetische Realisten etwa die Dimensionen Raum und Zeit als solche Strukturen einer eigentlichen Realität, die zwar angeboren sind und daher für unser individuelles Sein von vornherein gegeben, also wie Kant es sagt a priori vor und unabhängig von aller Erfahrung, allerdings nur vor und unabhängig von aller individuellen Erfahrung. Sie sind aber nach Ansicht dieser Realisten in der Evolution in Auseinandersetzung mit der Realität und in Anpassung an diese durch stammesgeschichtliche Erfahrung erworben und in diesem Sinne von der Realität abgebildet worden. Raum und Zeit wären so Eigenschaften der Realität, die wir stammesgeschichtlich erkannt und erworben hätten und in denen wir die Realität heute durch das theoretische Denken erkennen können, wenn auch letztlich nur in einer hypothetischen Weise. Ein folgenschwerer Irrtum, der einer der Gründe darstellt, warum Physiker, Biologen und Chemiker, aber auch die Vertreter der anderen Naturwissenschaften so regelmäßig an den Versuchen die Gegebenheiten unserer Welt zu erklären scheitern.
Für Kant dagegen sind Raum und Zeit lediglich Anschauungsformen, die a priori gegeben sind, und die nichts mit dem an sich Seienden zu tun haben. Nach Kant ist dieses an sich Seiende grundsätzlich nicht erkennbar, besitzt keine direkten Bezüge zu den Erscheinungen unserer Erkenntnis, so dass das von uns Erkannte keinerlei Struktur oder Realität eines an sich Seienden beinhaltet, vermittelt oder abbildet, denn ansonsten könnten wir es ja darin erkennen. Diese Erkenntnis eröffnet einen Blick auf die Welt, wie sie wirklich zu sein scheint, ohne durch die verzerrten Brillen der Naturwissenschaften blicken zu müssen, die schon grundsätzlich, je nach Disziplin, vorgefärbt sind.

Ich empfehle Ihn in diesem Sinne

Heinz Sauren

Intelligenz – Eine Satire

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… nun, wie alles anfing, können wir heute nicht mehr sagen“, referierte der Dozent zum Thema. „Sicher ist, dass wir, um die Betroffenen nicht zu beunruhigen, diese als Patient N wie Normal bezeichnen. Die Fachbezeichnung lautet: faktische Intelligenz. Offensichtlich ist der Erreger latent im Menschen vorhanden. Mit Hilfe der grundlegenden Erkenntnissen des Kollegen Sigmund Freud und anderer Vertreter seiner Zunft ist es uns jedoch gelungen bei den Betroffenen durch den gezielten Einsatz von Arbeits- und sorgfältig auf ihre Verträglichkeit getesteten Lernprogrammen eine soziale Unauffälligkeit mit vermindertem Leidensdruck zu erreichen. Die Patienten des Typs N sind jedoch unter ständiger klinischer Beobachtung zu halten.
Schwieriger ist die Lage bei den Patienten des Typs D als Kürzel der Typisierung Dumm. Trotz der pandemischen Ausbreitung in der Menschheit, konnte der Erreger noch nicht isoliert werden. Dieser Virus zeichnet sich dadurch aus, dass er denjenigen um die Erkenntnis seiner Existenz befreit, der von ihm befallen ist. Möglichkeiten der genetischen Übertragung werden weltweit diskutiert. Aber auch bei der Gruppe der Patienten D ist uns bereits vor geraumer Zeit der therapeutische Durchbruch gelungen. Durch genaue Reglementierung der konsumierten Informationen, trotz erhöhter Informationsresistenz, und dem frühzeitigen Einsatz einer lebenslangen Arbeitstherapie in – zur besseren Akzeptanz in Produktionsstätten umbenannten – Therapieeinrichtungen, kann heute diagnostiziert werden, dass die Patienten der Gruppe D keinerlei Leidensdruck mehr verspüren und eine völlige Sozialakzeptanz erreicht werden konnte.
Große Sorgen bereitet uns aber die Gruppe der Patienten K – für kritische Intelligenz. Bei dem Erreger scheint es sich um einen Virus zu handeln, der ähnlich wie bei Computerviren, quasi Huckepack, über ungefilterte Informationen den Patienten befällt. Es ist auffällig, dass sowohl Quantität als auch Qualität der Krankheit in kausalem Zusammenhang mit der Menge der ungefilterten Informationen zusammen zu hängen scheint. Das Krankheitsbild ist dramatisch. Mangelnde soziale Akzeptanz potenziert sich in gleichem Maße wie Therapieresistenz. Der Leidensdruck ist unterschiedlich hoch und kann in einigen Fällen Suizide auslösen. Die Krankheitsverläufe sind atypisch und ein Kontakt mit dem Patienten ist während des ganzen Krankheitsverlaufes problematisch aufgrund der Ansteckungsgefahr, wobei eine Übertragung auf den Typ N von höherer Wahrscheinlichkeit als auf den Typ D ist.

Aus diesem Grunde ist es angezeigt die betroffenen Patienten frühzeitig zu isolieren. Sollte eine Übertragung nicht sicher ausgeschlossen werden können, empfiehlt sich eine Therapie auf Basis der Psychopharmaka sowie eine Unterbringung in besonderen Therapiezentren unserer forensischen Psychiatrie.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

Das III.te Reich waren wir.

Das Dritte Reich steht heute als Synonym für Krieg, Diktatur und Völkermord. Diese Umschreibungen sind sicherlich richtig, aber warum wurde der Nationalsozialismus das Synonym dafür. Krieg, Diktatur und Völkermord gab es auch schon vorher und Hitlers Regime wurde zwar zum Stellvertreter alles Bösen, aber ist für vieles nicht der Ursprung gewesen. Es war die Macht, die von deutschem Boden ausging, die die Völker der Welt in ihrem Erschrecken einte.
Deutschland war vor Hitler keine Weltmacht. Die politische Bühne der 1920er und 1930er Jahre dominierten Großbritannien, welches immer noch in dem Besitz seiner Kolonien war und als Reich galt, in dem die Sonne niemals unterging und die USA als aufkommender Wirtschaftsriese. Deutschland hingegen war eine Kontinentalmacht, von der niemand glaubte, dass sie jemals über ihren kontinentalen Einfluss heraus kommen würde. Allein Großbritannien sah zu jeder Zeit eine Bedrohung in dem Deutschen Reich, Diese argwöhnische Beäugung ergab sich noch aus den familiären Neiddebatten und Zwistigkeiten der britischen Queen Victoria und ihrem deutschen Neffen Kaiser Wilhelm II, der zu Beginn des 20.ten Jahrhunderts gewagt hatte die Vormachtstellung des Empires als Seemacht Nummer 1 in Zweifel zu ziehen.
1933 kam es zur Machtergreifung Hitlers, so der heute im allgemeinen Sprachgebrauch gültige Terminus. Neutral betrachtet müsste man dann auch im Jahre 2005 von der Machtergreifung Merkels gesprochen haben, da sie die Regierung übernahm, nachdem sie mittels einer Koalition über die absolute Mehrheit im Parlament verfügte. Gleiches geschah auch 1933. Entgegen dem heute gezeichneten Bild putschte sich Hitler nicht an die Macht und es kam auch zu keinem Umsturz durch eine Revolution, sondern er gewann die Reichstagswahl und konnte mit Hilfe einer Koalition mit der Deutsch Nationalen Partei und seiner NSDAP die absolute Mehrheit im Parlament erreichen. Es folgten die Ermächtigungsgesetze, die ihm die absolute Macht verliehen. Aber auch diese ergaunerte sich Hitler nicht durch die Hintertür. Hitler hatte bereits vor den Wahlen in seinem Wahlprogramm seine Wähler wissen lassen, dass er die Demokratie abschaffen werde und offensichtlich wurde sein Wunsch in einer demokratischen Wahl von der Mehrheit der Deutschen unterstützt. Auch die Ermächtigungsgesetze, die die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit und weitere Grundrechte abschafften, wurden, bevor sie dem Reichstag zur Abstimmung vorgelegt wurden, dem Reichspräsidenten Hindenburg unterbreitet und von diesem genehmigt. Im Reichstag kam es dann zu einer erbitterten Debatte um die Zustimmung zu dem Ermächtigungsgesetz, in der sich Hitler und die Vertreter der anderen Parteien heftige Rededuelle lieferten. Schlussendlich entschied der Reichstag mit 2/3 Mehrheit die Ermächtigungsgesetze anzunehmen und sich damit selbst aufzulösen. Hitler war gemäß seinem Anspruch mit demokratischer Legitimation zum Alleinherrscher geworden.
Es folgten aus Sicht der Deutschen 6 Jahre des Friedens und des wirtschaftlichen Aufstiegs. Hitler missachtete die Versailler Verträge, die seit der deutschen Kapitulation 1918 die Größe des deutschen Militärs begrenzten, und rüstete auf. Er forcierte die Rüstung und den Aufbau der Infrastruktur innerhalb des Landes. Dass er damit auf sein großes Ziel zusteuerte, die Einnahme neuen Lebensraumes im Osten, war den Deutschen bewusst, da das Regime keine Gelegenheit ausließ dieses anzukündigen und es ausdrücklich zu lesen war in dem – zu der Zeit meist verbreiteten – Buch – Hitlers „Mein Kampf“. Es folgten die Eingliederung des Sudetenlandes – eines Teiles von Tschechien und Österreichs – in das Deutsche Reich unter großem Jubel und der überwiegend begeisterten Zustimmung der Sudeten und der Österreicher.
Großbritannien argwöhnte die Erfolge der Nationalsozialisten, konnte aber nur wenig tun, da Hitler sich völkerrechtlich nichts zuschulden kommen ließ. Seine Außenpolitik war hart und von Drohungen und Nötigungen durchzogen, was aber zu der Zeit in der Politik nichts Außergewöhnliches war. Sogar der britische Premierminister Chamberlain frohlockte noch 1939 ein Abkommen mit Deutschland getroffen zu haben, welches die britischen Interessen schützte und den Frieden sichern sollte.. Wenige Monate später griff Deutschland Polen an, was die Verbündeten Polens – Großbritannien und Frankreich – veranlasste Deutschland den Krieg zu erklären. Es begann der Krieg, den wir heute den 2. Weltkrieg nennen. Die Wehrmacht führte der Welt eine völlig neue Form des Krieges vor, den Blitzkrieg. Hochmobile Kampfeinheiten überrannten binnen Wochen zuerst Polen, dann Belgien, die Niederlande, Luxemburg und Frankreich. Polen wurde das Opfer von gleich zwei Giganten, in deren geographischer Mitte es lag. Die Wehrmacht überrannte den westlichen Teil von Polen und hielt dann unvermittelt an. Kurz darauf marschierte die Sowjetunion von Osten in Polen ein und holte sich das Stück des Kuchens, das durch den Hitler – Stalin Pakt ihr vorbehalten war. Als 1942 aus Sicht der Deutschen die Schlacht um Stalingrad verloren ging, hatte die Deutsche Wehrmacht nahezu ganz Europa und Teile Nordafrikas eingenommen. Nichts schien dieser Kriegsmaschinerie unmöglich zu sein. Der Nimbus der Unbesiegbarkeit, der Deutschland voraus eilte, schuf die Allianzen, die den zweiten Weltkrieg für sich entscheiden sollten, da die damals nahezu unglaubliche Macht und Stärke, die von dem Deutschen Reich auszugehen schien, nunmehr als potentielle Gefahr durch jeden Staat wahrgenommen wurde, der auch nur im entferntesten befürchten musste, irgendwann einmal zum Opfer der Machtinteressen Deutschlands zu werden. Die Folge des übermäßigen Machtanspruches und der völlig selbst überschätzten militärischen Möglichkeiten war die totale Niederlage und die bedingungslose Kapitulation 1945.
Sechs Jahre hatte das Nationalsozialistische Regime Europa mit Leid, Tod, Verfolgung und Vernichtung überzogen und hinterließ einen zerstörten und ausgebluteten Kontinent. In nahezu jeder deutschen, polnischen und russischen Familie waren Tote zu beklagend durch den Wahnsinn eines Krieges, der die nahezu unvorstellbare Anzahl von 50.000.000 Toten forderte.
Es folgten die Kriegsverbrecherprozesse, die so genannten Nürnberger Prozesse. So sehr den Angeklagten eine Verurteilung für ihre Verbrechen zustand und ihre Strafen zu befürworten waren, so sehr waren diese Prozesse aber auch unrechtmäßig.
Ein heutiger und damaliger Rechtsgrundsatz in Deutschland, aber auch in allen Ländern der Sieger war – Keine Strafe ohne Gesetz. Das bedeutet: eine Straftat kann nur begehen, wer zum Zeitpunkt der Tat dadurch gegen ein Gesetz verstoßen hat. Gibt es kein Gesetz, welches eine Handlung verbietet, so ist diese Handlung auch nicht strafbar. Alle Handlungen, die den Angeklagten vorgeworfen wurden, waren aber nach den gültigen deutschen Gesetzen ausdrücklich erlaubt und nicht das Produkt von persönlicher Willkür, sondern die Folge eines Rechtsstaates, der sich eben diese Gesetze gegeben hatte. Auch die Vorwürfe der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord waren juristisch eigentlich unhaltbar, da diese Normen erst für die Nürnberger Prozesse vom Völkerbund aufgestellt wurden als Resultat aus den Geschehnissen des 2. Weltkrieges. Auch diese Normen waren bei der Begehung der Taten durch die Angeklagten noch nicht existent. Juristisch folgerichtig bekannten sich auch alle Angeklagten als nicht schuldig.
Was juristisch unhaltbar war, war aus menschlicher Sicht von nie da gewesener Größe. Die Sieger über das Regime, welches eben von den Siegern so viele Tote gefordert hatte, bewiesen ihre Überlegenheit und Größe nicht durch ihren militärischen Sieg. Sie bewiesen sie durch die Tatsache, dass sie die Verantwortlichen nicht hinrichteten, sondern ihnen in einem öffentlichen Prozess die Möglichkeit zur Rechtfertigung gaben, was einige Angeklagte vor der Hinrichtung bewahrte. Der Anspruch des Siegertribunals war nicht Rache, sondern der Wunsch nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten.
Die Zeit des Dritten Reiches ist voller politisch gewollter Missverständnisse und Vorurteile, geboren aus dem Sprachgebrauch der Siegermächte, die als Sieger unantastbar waren und aus dem Sprachgebrauch der Deutschen, die sich der Demütigung der Unmenschlichkeit nicht aussetzen wollten. Mit diesen Mythen leben wir noch heute und sie lassen sich zusammen fassen in einem Bild, in dem Hitler der Urheber alles Bösen und der Erfinder der Maschinerie des Grauens war. Seit dem Ende des Krieges sind nunmehr 65 Jahre verstrichen und es ist an der Zeit auch diesen Teil der Geschichte neu zu betrachten. Zwar haben wir uns kontinuierlich mit dieser Epoche auseinander gesetzt, aber das geschah immer unter der Vorgabe, dass es einen ultimativ bösen Menschen gab, der ein ganzes Volk verführte. Eine Sichtweise, die es uns erlaubte zwar mit dem Stigma des Verführten zu leben, aber dennoch alle Schuld von uns weisen zu können.
Eine dieser Mythen ist die Behauptung, dass die Judenverfolgung ein Produkt des Willens Hitlers war. Es ist richtig, dass einer der zentralen Punkte in Hitlers Ideologie die Minderwertigkeit und die nach seiner eigenen Logik daraus folgende Verfolgung und massenhafte Ermordung von Juden war, aber dieser Gedanke wurde nicht von ihm geboren. Hitler verbrachte einen Teil seines Lebens als junger Erwachsener in Wien zu einer Zeit, als die österreichische Hauptstadt das Zentrum des Antisemitismus in Europa war. Offene Diskreditierung und Diffamierung von Menschen jüdischen Glaubens war an der Tagesordnung und lag im gesellschaftlichen Trend. Zu dieser Zeit entwickelte Hitler seine antisemitische Ideologie, in der er selber gesellschaftliche Akzeptanz fand und einen Schuldigen für seine eigene ungerecht empfundene Lage als erfolgloser Postkartenmaler, dem die Zulassung zur Kunstakademie verweigert wurde. Mit Hilfe dieser Ideologie, die eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung fand, gelang ihm später sein Aufstieg an die politische Macht, wodurch seine Ideologie zur Staatsdoktrin wurde und er in Menschen wie Himmler und Heydrich willfährige Gehilfen fand, die aus dieser, in dem Willen ihrem Führer durch Perfektion zu gefallen, eine monströse und menschenverachtende Maschinerie des Todes machten. Hitler war viel zu sehr in seine größenwahnsinnigen Visionen gefangen, als das er sich um die Einzelheiten oder die Durchführung der Verfolgung und Ermordung von Juden kümmerte, von der er aber sicher wusste.
Es bedurfte vieler Tausend Täter und der zumindest stillschweigenden Akzeptanz eines ganzen Volkes den Genozid an den Juden zu verwalten und durchzuführen, wobei davon auszugehen ist, dass jeder einzelne wusste, was er tat und welche Folgen sein Handeln haben wird. Beginnend von dem denunzierenden Blockwart über den erfassenden Verwaltungsbeamten bis zu den Aufsehern in den Konzentrationslagern und denen, die die Morde mit eigener Hand ausführten. Bereits mit der Errichtung des ersten deutschen Konzentrationslagers in Dachau, Mitte der 1930er Jahre war das deutsche Volk aufgeklärt durch die zu diesem Anlass veröffentlichten mit detaillierten Fotos versehenen Großberichte in der „Illustrierten Zeitung“, die an jedem Kiosk erhältlich war. Die immer wieder nach dem Krieg gebrauchte Behauptung – das habe man doch alles nicht gewusst – ist nichts weiter als der rückgratlose Versuch vieler nach der Niederlage nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Genozide gab es viele im Laufe der Geschichte, einer davon war die systematische Ausrottung der nordamerikanischen Urbevölkerung – den Indianern , während dessen sich die Briten hervor taten, indem sie unter dem Deckmantel der Menschlichkeit die heimtückische Ermordung von Frauen und Kindern einleiteten. Unter dem Vorwand Hilfe leisten zu wollen verteilten sie unter den Frauen und Kindern der Indianer Decken, die sie zuvor mit dem Erreger der Pocken infiziert hatten, und sorgten so für das qualvolle Sterben ganzer Stämme. Sie rotteten die Menschen aus, von denen sie glaubten, dass sie Minderwertig seien. Die Briten waren es auch, die die ersten Konzentrationslager einführten anlässlich der Burenkriege in Südafrika zu Beginn des 20.ten Jahrhunderts. Aber es war das Dritte Reich, das zum Synonym dieser Unmenschlichkeiten wurde.
Um die Möglichkeit der geschichtlichen Abläufe des Dritten Reiches zu verstehen, muss man das Verhältnis der Deutschen zu Adolf Hitler verstehen. Dem Sohn eines österreichischen Zollbeamten war nicht in die Wiege gelegt zum Führer eines Großdeutschen Reiches zu mutieren und die ersten Jahrzehnte seines Lebens sprachen eher gegen eine solche Karriere. Sicher war er ein Demagoge und Redner mit polemischer Brillanz, aber folgte ihm eine ganze Nation, weil sie durch seine Auftritte hypnotisiert waren.? In erster Linie war er jemand, der ein Gespür für die Ängste und Wünsche der Menschen hatte. Er sprach das aus, was das Volk sich wünschte. Er neutralisierte historische Ängste eines zutiefst verunsicherten Volkes mit Heilsversprechen einer glorreichen Zukunft, die das Volk nur zu gerne hören wollte. Er gab ihnen eine Perspektive in einer aussichtslosen Situation und die Möglichkeit die Misslichkeit der eigenen Situation durch das Erlebnis kollektiver Größe zu kompensieren. Adolf Hitler steht für das Böse seiner Zeit – für Verfolgung, Vernichtung und Tod. Im Grunde ist jedoch er selbst das Synonym für das Deutsche Volk seiner Zeit, denn er konnte nichts vollbringen, was die Masse des Volkes nicht vollbringen wollte und nichts schaffen, was die Gemeinschaft seines Volkes nicht schaffen wollte.
Die Verbrechen des Dritten Reiches waren nicht die Verbrechen einiger weniger, sondern die Verbrechen eines Volkes, das von diesen sehr wohl wusste, in großer Anzahl selbst daran teilnahm oder diese zumindest billigend in Kauf nahmen, um die Größe darstellen zu können, von der sie dachten, dass sie diese hätten.

Zukunftsperspektiven

Einen Blick in die Zukunft haben schon viele riskiert. Wir brauchen nur den Fernseher einzuschalten und werden sicher schnell einen Sciencefiction finden, der uns die Welt von morgen zeigen soll. Doch dieses Genre hat im Regelfall nicht den Anspruch uns eine mögliche Zukunft zu beschreiben, sondern soll Unterhaltung auf der Basis eines mehr oder minder zukünftig denkbaren Szenarios sein. Diese Unterhaltungsfilme sorgen für ein verzerrtes Bild einer zu erwartenden Zukunft, weil sie den technischen Fortschritt unter Zuhilfenahme der heutigen sozialen Strukturen beschreiben. Dass aber gerade die sozialen Strukturen und Wertesysteme sich in einer Zukunft nicht verändern würden, ist eine Annahme, die wohl nur unter dem Aspekt trivialer Hollywood Unterhaltung möglich ist.
Eine mögliche Zukunft zu beschreiben ist immer eine Form des Orakeln, da uns eben keine Möglichkeit gegeben ist in die Zukunft zu schauen, aber es ist möglich ein Szenario zu beschreiben, welches eine ausreichend hohe Wahrscheinlichkeit hat, weil die Mechanismen und Voraussetzungen dafür bereits heute existieren, sofern diese Beschreibung nicht allzu weit in die Zukunft geht und damit durch mangelnden Bezug zur Gegenwart keine verlässliche Basis mehr bietet.
Um eine gewisse Wahrscheinlichkeit zu behalten, wähle ich hier für meine Betrachtungen einer möglichen Zukunft, eine die nur 40 Jahre von uns entfernt ist und beschreibe eine Welt, die im Jahre 2050 die unsere sein könnte. Ich erfinde keine zukünftigen Szenarien, sondern beziehe mich ausschließlich auf Umstände, die schon heute vorliegen und die aufgrund der hohen Akzeptanz von Wissenschaft und Politik von diesen mit großer Wahrscheinlichkeit weiter verfolgt werden.

Das Wirtschaftssystem
Um das Wirtschaftssystem des Jahres 2050 zu beschreiben, setze ich zuerst voraus, dass es uns nicht gelungen sein wird genügend Vernunft walten gelassen zu haben, um das Alte jetzt Existierende: den Kapitalismus abzuschaffen.
Die Globalisierung der Märkte wird Wirklichkeit geworden sein. China wird weltmarktführend als Industrie- und Produktionsstandort sein, Indien wird die Dienstleistungs- und IT Branche dominieren, Brasilien wird der weltgrößte Nahrungsmittelproduzent sein und Russland führend in der Energiegewinnung und Vermarktung. Alle Waren und Dienstleistungen stehen in direkter Konkurrenz und sind jederzeit und überall abrufbar. Der gemeinsame Faktor, an dem sich alle Güter messen müssen, ist das Geld und nur ein Mechanismus hat die Möglichkeit eine globale Konkurrenz aller Güter zu regeln: der Zwang der möglichst kostengünstigen Produktion. Europa wird mit Massenarbeitslosigkeit und Verarmung der Bevölkerung kämpfen, da die europäischen Waren nicht kostengünstig genug angeboten werden können – ein Effekt des Lohnanspruches europäischer Arbeitnehmer, der nur verwirklicht werden konnte, solange das System nicht in Konkurrenz mit Billiglohnländern treten musste. Europa und Amerika werden lernen müssen die Welt mit andern Augen zu betrachten. Nicht mehr sie werden es sein, die den Takt der Welt angeben, die die grundsätzlichen Werte der Welt aufstellen, sondern sie werden sich dem Diktat der Wirtschaftssupermächte beugen müssen. Produktionsabläufe, Waren, Arbeitsabläufe, die sozialen Systeme, aber auch die Werte und Ziele der Gesellschaft werden sich, so wie sie es immer getan haben, dem Diktat des wirtschaftlichen Erfolges anpassen und unsere Welt wird ein wenig chinesischer, indischer und brasilianischer werden; auf einem Level, der einem führungsgewohnten Europa unerträglich sein wird. Die massive Expansion der Wirtschaft wird in noch größerem Maße die Ressourcen der Erde ausbeuten und die Umwelt in noch höherem Ausmaße verschmutzen, aber unser Einfluss wird nicht mehr das Gewicht haben dagegen einzuschreiten. Sicherlich wird uns nach alter Manier eine Abnahme dieser Umstände versprochen und vermeintliche Erfolge auf dem Weg dahin wie bekannt uns verkauft. Es hört sich auch heute schon beruhigend an, wenn uns erklärt wird, dass wir nun in den nächsten Jahren den CO2 Ausstoß um 5 oder gar 10 Prozent verringern werden. Es wird sicher auch in Zukunft vergessen dazu zu erwähnen, dass diese Verringerung nicht mehr so gut dasteht, wenn man betrachtet, dass der CO2 Ausstoß generell um 1000 Prozent zu hoch ist. Sicherlich werden auch die Wirtschaftslenker von morgen hierfür gute Begründungen finden.
Dieser Niedergang der ehemals mächtigsten Staaten wird für Europa ein Desaster werden, aber die größte Gefahr wird von den USA zu erwarten sein. Ein Land, das an sich selbst den Anspruch erhebt die Führungsrolle in der Welt inne zu haben, wird einen wirtschaftlichen Niedergang und damit eine politische Entmachtung nur schwer ertragen können. Diese Destabilisierung des Machtgefüges wird alte Feinde ermutigen die USA zu provozieren und ein Land, das sich seiner wirtschaftlichen Macht beraubt sieht, wird sein militärisches Potential nutzen müssen, um auf Provokationen zu reagieren.
Die wirkliche Macht werden aber einige wenige Wirtschaftsunternehmen in Händen halten. Ihre Anfänge kennen wir schon heute und nennen sie respektvoll Global Player. Sie werden ungeheure Mengen an Kapital halten und damit Einfluss auf jedes politische System ausüben, um ihre Ziele zu verwirklichen. Diesem Einfluss werden sich die Staaten nicht entziehen können, da sie auf das Kapital dieser Global Player angewiesen sind und selbst für den Fall, dass sie einen dieser bekämpfen wollten, wäre es ihnen nicht möglich, da sie auf ein internationales System der Dezentralisierung stoßen würden – einer Schlange mit so vielen Köpfen, dass eine Bekämpfung dieser unmöglich sein wird. Wir werden in einer Zeit leben, in der jegliche Werte und Rechte hinter den Zielen riesiger Wirtschaftsunternehmen zurück stehen werden oder diesen angepasst sind, auf die wir keinerlei Einfluss haben werden und die sich schon jetzt jeglichen Kontrollmechanismen wirkungsvoll entziehen.
Unter dem Zwang dieser Mechanismen wird sich die geopolitische Weltkarte verändern. Als Gegengewicht zu den neuen Wirtschaftssupermächten werden sich Wirtschafts- und Währungsunionen bilden durch die die jetzigen Industrieländer in den Besitz von Rohstoffen kommen werden. Die USA und Kanada werden mit Südamerika, Europa mit Russland und die arabischen Staaten mit Afrika solche Wirtschafts- und Währungsunionen eingehen und zusammen agieren. Großbritannien wird als eigentlich europäischer Staat eine Sonderstellung einnehmen und aus seiner Stellung als Bindeglied zwischen der amerikanischen und der europäischen Union profitieren. Auf lange Sicht ist zu erwarten, dass es nur noch drei Staatsgebilde geben wird. Dabei wird es sich um die eurasische Union: bestehend aus Europa, Russland und den asiatischen Staaten, die afrikanische Union: bestehend aus den afrikanischen und den arabischen Staaten sowie der amerikanischen Union: bestehend aus den Staaten des nordamerikanischen und des südamerikanischen Kontinents, handeln. Da diese Unionen autark sein werden, ist eine Interaktion zwischen ihnen dann nicht mehr zu erwarten.

Perspektiven der Demokratie
Um mit den Problemen und Herausforderungen der Welt im Jahre 2050 umgehen zu können, werden für jedes politische System zwei Dinge unverzichtbar sein. Ein möglichst problemlos funktionierendes Staatssystem, welches von so großer Vorausberechenbarkeit ist, dass Abweichungen vom Sollzustand verhindert werden können und eine möglichst hohe Akzeptanz der Regierungsform, um innere Angriffe gegen das System selber zu vermeiden.
Die vordringlichste Aufgabe eines Staates wird also sein: die Schaffung einer möglichst effektiven Verwaltung sowie die Etablierung von gemeinschaftlichen Werten mit möglichst hoher Akzeptanz.
Die Schaffung einer möglichst effektiven Verwaltung wird durch eine Flut von Gesetzen und Verordnungen gewährleistet werden, die jeden Bereich des Lebens reglementiert und jede Eigeninitiative unterbindet, da sich nur auf diesem Wege die Bekanntheit der möglichen Parameter jeder Handlung, jegliche Handlung der Individuen voraus berechnen und damit kontrollieren lässt. Zur Kontrolle und damit präventiven Besicherung des Sollzustandes muss weiterhin gewährleistet sein, dass die Individuen sich tatsächlich innerhalb der berechenbaren Parameter bewegen. Hierzu wird eine umfassende Überwachung jedes Einzelnen nötig sein. Nicht erst das Verlassen der vorgeschriebenen Parameter wird staatliche Handlungen einleiten. Diese werden bereits im Vorfeld erfolgen, also präventiv. Das Sammeln und Auswerten aller möglichen Fakten und Umstände eines Bürgers sorgt in erster Linie für seine Berechenbarkeit, je umfangreicher also ein Datenpool zu einem Bürger ist, desto leichter wird es möglich sein präventiv sein Verlassen der staatlich geforderten Linie zu unterbinden. Dieses wird humanitär zu begründen sein, da der Staat ja bereits im Vorfeld, also vor einer möglichen falschen Handlung eingreifen wird, wird er nach seiner Argumentation den so reglementierten Bürger geschützt haben vor der zu erwartenden falschen Handlung und den damit verbundenen Konsequenzen, und damit seiner besonderen Fürsorgepflicht entsprochen haben.
Eine höchst mögliche Akzeptanz des Staatsvolkes zu den Zielen des Staates wird nur durch die Schaffung neuer Werte zu gewährleisten sein. Dieses wird der logischen Konsequenz folgen, dass wenn alle Fakten richtig sind, aber zueinander in Konkurrenz stehen, sind nicht die Fakten falsch, sondern das sie beschreibende System. Unter den heute gegebenen Wertevorstellungen werden die Lebensumstände des Jahres 2050 wenig erstrebenswert sein. Wir würden sie als rückschrittlich und entrechtend wahrnehmen. Da aber diese Umstände nicht zu verhindern sein werden, wird man die Sichtweise auf sie verändern müssen, da der Verlust eines Rechtes nur dann entrechtend ist, wenn dieses Recht auch als Recht wahrgenommen wird. Verändert man die Sichtweise auf das abzuschaffende Recht in der Art, dass dieses als Unrecht empfunden wird, wird auch der Verlust nicht mehr als Entrechtung wahrgenommen, sondern als Befreiung.
Es wird also um die Umdefinierung von Begriffen gehen. Wenn wir auch heute noch die Lebensumstände des Jahres 2050 als für nicht erstrebenswert halten, so werden wir sie dann aber als nicht mehr so dramatisch ansehen. Bis dahin werden unsere Werte und damit das, was wir für erstrebenswert halten, sukzessiv umdefiniert worden sein – ein Prozess, der sich schon heute überall beobachten lässt. Schon heute haben wir mit dem Begriff Demokratie so unsere Probleme. Dem ursprünglichen Anspruch gemäß ist Demokratie die Herrschaft, die vom Volke ausgeht, also einer Menge von Individuen, die ihren individuellen Willen ausdrückten. Begriffe wie Gemeinwohl oder Gemeinnützigkeit waren nicht Ziele der Demokratie, sondern ergaben sich aus dem mehrheitlichen Willen der Individuen. Heute ist Gemeinwohl und Gemeinnützigkeit bereits oberstes Ziel der Politik und ein Fehlen dieser Vorgaben scheint uns nicht mehr richtig. Aber die Einführung dieser Begrifflichkeiten als Staatsziel ist schleichend vollzogen worden durch Einführung in den Sprachgebrauch mittels der Medien, die solche selbst formulierten Ziele von Politikern zum Formulierungsstandart erhoben haben. Durch die kaum bemerkte Veränderung des Sprachgebrauchs haben sich Begriffe als selbstverständlich eingeschlichen, die ihre eigene Definition mitbrachten und damit die ursprüngliche Definition der Demokratie veränderten. In der Zukunft des Jahres 2050 wird die Definition für Demokratie nicht mehr die Herrschaft des Volkes, sondern die Herrschaft für das Volk heißen; eine Begrifflichkeit, die nichts Böses vermuten lässt und, doch die Abschaffung der Demokratie bedeutet haben wird. Der ursprüngliche Gedanke der Demokratie wird damit ins Gegenteil verkehrt sein und nicht mehr der Staat der Ausdruck seines Volkes sein, sondern das Volk der Ausdruck seines Staates, welcher durch die Neuschaffung einer Begrifflichkeit dann über einen eigenen Zweck verfügt, nämlich für das Volk zu agieren, anstatt nur Zweck dessen gewesen zu sein. Ein solcher Staat stellt sich über seine Bürger, für die er ja agiert und bedarf nicht mehr der Legitimation seines Zweckes durch die Bürger.
Auf dem Wege der Umformulierung – der Neudefinition von Begrifflichkeiten mithilfe der Medien als Katalysator werden wir im Jahre 2050 in einer Demokratie leben, die keine sein wird und einem System folgen, das durch eine Gesetzesflut – umfassende Kontrolle der einzelnen Bürger und Veränderung des Sprachgebrauchs uns selbst zu den Helfern unserer eigenen Entrechtung gemacht haben wird.

Die Umwelt von morgen
Die Umwelt des Jahres 2050 wird deutlich von der Natur getrennt sein, die auch geteilt sein wird. Als Umwelt werden wir den Bereich des Lebens verstehen, der uns umgibt und dieser Bereich wird den höchsten Ansprüchen an Sauberkeit und Ordnung genügen, zumindest im oberflächlichen Sinne, da Umweltschutz ausschließlich eine Sache der Sichtbarkeit für die Menschen sein wird. Schon heute ist zu beobachten, dass Umweltverschmutzung mit Naturzerstörung gleich gesetzt wird. Wir trennen unseren Müll als Zeichen des Umweltschutzes, dabei ist unsere Natur ein globales System und Müll wird zu einem Problem dadurch, dass er entsteht und nicht dadurch wie er gelagert wird, denn egal wie wir ihn lagern, es ist immer innerhalb der Natur. In den Köpfen der Menschen wird Müll aber erst zum Problem, wenn er sichtbar wird und diesem Phänomen wird auch die Gestaltung unserer Umwelt in Zukunft folgen. Die Natur wird in zwei Bereiche getrennt werden – dem einen und wichtigsten Bereich: der Natur als Wirtschaftsressource und zum anderen: der Natur als Schutzzonen. Der Bereich der Wirtschaftsressourcen wird sich immer weiter dem Fokus der Allgemeinheit entziehen, da der Raubbau an der Natur und die weitere Verschmutzung nicht mehr mit Argumenten zu rechtfertigen sein wird, und Zweifler und Kritiker am besten durch die Nichtexistenz eines Problems zu beruhigen sein werden.
Der zweite Bereich werden die Schutzzonen sein. Wir werden in Zukunft nicht nur Zoos kennen, sondern auch Bioparks, in denen wir in der gleichen entfremdeten Art unsere Natur kennen lernen können, wie wir es bereits heute mit den Tieren im Zoo machen. Diese Bioparks werden nicht errichtet werden, weil es keine Wälder oder unberührte Freiflächen mehr gäbe, sondern weil diese für den Menschen unzugänglich sein werden. Diese werden in ihrem Bestand so gefährdet sein, dass wir diese schützen werden und das bedeutet für den Menschen: diese nicht betreten zu können.
Flora und Fauna werden in ihrem Artenreichtum erheblich abgenommen haben. Da jeden Tag im Durchschnitt eine Spezies endgültig ausstirbt, werden im Jahr 2050 circa 13.000 Arten weniger auf der Erde leben. Auch dieses ist schon heute vielerorts zu beobachten. Kannten wir vor 50 Jahren noch circa 250 verschiedene Apfelsorten, so sind es heute aufgrund der industriellen Nutzung des Apfels und der Ausrottung nicht wirtschaftlicher Sorten nur noch 15 Sorten weltweit.
Das Meer wird eine ganz andere Bedeutung für die Menschen haben. Ist es heute noch Ort der Erholung und Fisch, ein begehrtes Nahrungsmittel, wird in 20 Jahren von unserer Speisekarte verschwunden sein, da spätestens zu diesem Zeitpunkt die Überfischung der Meere die Fischbestände soweit dezimiert haben wird, dass der Fischfang zum Zwecke der Nahrungsmittelgewinnung nicht mehr rentabel sein wird. Der Ort der Erholung wird zum Ort der Katastrophen geworden sein, da aufgrund der Klimaerwärmung der Meeresspiegel gestiegen sein wird, was zwar nicht ein Land unter zur Folge haben wird, aber in den Küstenregionen zu regelmäßigen Flut- und Sturmkatastrophen führen wird.

Urbane Existenz
Das Leben der Zukunft wird eine urbane Existenz sein. Land ist knapp und im Gegensatz zu den Menschen, die Land besitzen wollen, kommt kein neues Land hinzu. Eine Gesellschaft der Zukunft wird sich mit dem Problem konfrontiert sehen, dass sie immer mehr Land braucht. Nach Auskunft des NABU, des Naturschutzbundes werden heute täglich 106 Hektar Land in Deutschland dauerhaft unbrauchbar gemacht durch Bebauung oder Nutzung der Industrie. Die zur Verfügung stehende Fläche wird immer kleiner und steht einer immer größeren Zahl von Menschen gegenüber, die Land für ihre persönlichen Zwecke erwerben möchte oder Firmen, die zu ihrer Expansion Land brauchen. Aus wirtschaftlicher Sicht, und das wird im Jahre 2050 die maßgeblichste Sichtweise sein, ist Land, das sich in den Händen von Privatleuten befindet und damit der Industrie und der Landwirtschaft nicht zur Verfügung steht, nicht dem Gemeinwohl nützlich. Es wird vielfältige Bestrebungen geben Land aus privaten Händen dem Produktionskreislauf zuzuführen. Die Preise für Land werden in Zukunft so hoch sein, dass nur wenige Privatleute im Stande sein werden diese zu erbringen und dadurch werden immer mehr Menschen in die Städte umsiedeln. Diese Urbanisierung aus ökonomischen Zwängen wird mehr und mehr Mega – Citys entstehen lassen, die wiederum aufgrund der vorhandenen Arbeitskräfte die Industrien zentralisieren werden. Weit über 90 Prozent der Bevölkerung wird in der Zukunft in Städten wohnen und Städte wie Hamburg, Berlin oder München werden um das zwei bis dreifache wachsen. Aufgrund der extrem hohen Kosten und dem Mangel an Arbeitsplätzen und der Infrastruktur wird es kaum noch ländliche Bevölkerung geben und die in den Städten wohnenden Menschen werden diese kaum noch verlassen, während auf dem Land riesige Agrarkulturen entstehen werden, die einen Teil des Nahrungsmittelbedarfs der Städte befriedigen sollen.

Das Sozialkapital
Aufgrund wirtschaftlicher Zwänge und auftretender Massenarbeitslosigkeiten infolge globalisierter Märkte werden die Ausgaben zur Zinstilgung sowie die Sozialausgaben des Staates im Jahre 2050 soweit gestiegen sein, dass sie sich durch die Einnahmen des Staates nicht mehr decken lassen. Die Folge ist eine immense Staatsverschuldung. Um einen Staatsbankrott und damit den Zusammenbruch des Systems zu verhindern, wird der Staat gezwungen sein ein System zu etablieren, welches seine Bürger animiert bei sinkenden Reallöhnen immer mehr zu arbeiten und die gleichzeitig die Staatsverschuldung minimiert. Das System des Sozialkapitals, welches auf dem Grundgedanken basiert, dass die Teilnahme an einer Gesellschaft zur Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft führt, nimmt den Bürger von Geburt an in die Pflicht und geht davon aus, dass die Teilnahme am Leben verdient werden muss, aber auch verdient werden kann, da jedem Menschen von Geburt an das Kapital Arbeit zur Verfügung steht. Jeder Bürger nimmt per Gesetz mit dem Zeitpunkt seiner Geburt eine Staatsanleihe von 100.000 Euro auf, die ihm zu einem vergünstigten Zinssatz kreditiert wird. Bis zum Eintritt in das erwerbsfähige Alter bemerkt das Kind in seinem realen Leben keinen Unterschied, aber der Staat wird mit jedem neugeborenen Bürger um 100.000 Euro seiner Staatsverschuldung befreit, die ja nun das Kind übernommen hat. Mit Beginn der Erwerbstätigkeit wird dem Bürger dann jeden Monat ein Teil seines Lohnes zur Tilgung dieses Kredits abgezogen, was für ihn keine schlechte Stellung bedeutet, da es ja jeden in gleichem Maße betrifft. Er erfüllt somit seine Pflicht gegenüber der Sozialgemeinschaft und erhält die Handlungsfähigkeit des Staates. Um einen Anreiz zu schaffen sich nicht der Zahlung durch Verweigerung von Arbeit zu entziehen und, um die Sozialgemeinschaft vor Sozialschmarotzern zu schützen, sind an das Sozialkapital Vergünstigungen gebunden. Durch die regelmäßige Rückführung der Staatsanleihe erhält der Bürger das Recht zu heiraten und Kinder zu kriegen, aber auch verbilligte Kredite für persönliche Anschaffungen.
Im Jahre 2050 wird das Sozialkapital in dieser oder einer ähnlichen Form kaum noch diskutierter Alltag sein. Dieses einzuführen scheint bei der Politik gegenüber Neugeborenen große Akzeptanz zu besitzen. Die Schwierigkeiten bei der Einführung liegen in dem Umstand, dass zumindest für die Dauer einer Generation ein Teil der Bevölkerung benachteiligt wird, nämlich der der Neugeborenen, während der andere Teil davon nicht betroffen wäre und eine Lösung schwierig scheint den nicht betroffenen Teil der Bevölkerung zur Erhaltung der Gerechtigkeit mit einzubeziehen.

Das Arbeitsleben
Die zukünftige Gesellschaft wird erkannt haben, dass das Kapital des Einzelnen – seine Arbeit best möglichst zu nutzen ist und wird ihr Schulsystem an die härteren Wettbewerbsbedingungen des globalen Marktes und das Staatsziel – das Allgemeinwohl endgültig angepasst haben. Um diesen Vorgaben gerecht zu werden, wird die Schule in erster Linie die Vorbereitung auf die Arbeitswelt sein.
Regelschulzeiten von nicht mehr als acht Jahren werden der Standard sein. Im Rahmen der Anpassung an die anderen Nationalökonomien, die als Arbeitsmarkt in direkter Konkurrenz stehen, wird es keine Ausbildungsberufe mehr geben. Der junge Mensch wird nach dem Verlassen der Schule nicht mehr die Wahl haben seinen Beruf zu wählen, sondern die Verpflichtung haben zum Wohle der Allgemeinheit den Arbeitsplatz einzunehmen, in dem er schnellstmöglich die größte mögliche Produktivität erreicht. Der zentrale Punkt wird die Arbeitstätigkeit zum größten möglichem Nutzen der Nationalökonomie sein und nicht mehr ein bestimmter Beruf. Dieses zu ermöglichen wird gewährleistet durch die Flexibilität der Arbeitskraft, also die Möglichkeit die Arbeitskraft gemäß den Bedürfnissen der Produktion einzusetzen, ohne Einschränkungen welche Tätigkeit dieses beinhaltet und wo diese Tätigkeit erbracht wird. Die Menschen werden sich nicht mehr über ihre Tätigkeit definieren, also ihren Beruf, sondern nur noch ob sie tätig sind und welchen Nutzen ihre Tätigkeit für das Allgemeinwohl hat. In der Praxis bedeutet das, dass die Menschen sich über ihre soziale Leistung – ihren Verdienst definieren werden.
Es wird im Jahre 2050 kein Rentensystem nach heutigen Vorgaben mehr geben. Jeder Arbeitnehmer wird solange arbeiten, wie er dazu körperlich im Stande sein wird. Das hierzu tragende System: Fördern und Fordern ist bereits heute eingeführt worden. Der Staat wird stellvertretend für die Allgemeinheit die Arbeitskraft einfordern, solange sie der Produktivität dient, ohne eine Begrenzung eines Renteneintrittsalters. Hierdurch wird es möglich sein den heute existierenden und dann nicht mehr zu finanzierenden Generationenvertrag zu verlassen. Dies wird durch die Allgemeinheit als gerecht empfunden werden, da aufgrund des stetig ansteigenden Lebensalters eine Generation von nicht produktiven und kostenintensiven Müßiggängern verhindert wird.
Durch die veränderten Wertvorstellungen und dem über alles stehendem Allgemeinwohl werden Gruppen, die nicht in das soziale System eingebunden sind, also keine Arbeit verrichten und damit nicht ihren Beitrag an die Gemeinschaft erbringen, nicht mehr toleriert werden. Durch staatliche Programme – des Fördern und Fordern – werden Arbeitslose und Menschen mit nicht ausreichender Produktivität in Arbeitsmaßnahmen zum Wohle der Allgemeinheit tätig sein. Eine Verweigerung der Arbeitskraft wird nach Ansicht der Allgemeinheit den sozialen Frieden stören und wird von staatlicher Seite verfolgt werden müssen.

Die Krankenversicherung
Das Krankenversicherungssystem des Jahres 2050 wird in einen privaten und einen staatlichen Teil gespalten sein. Die Voraussetzungen für dieses System wurden in ihren grundsätzlichen Zügen bereits im Jahre 2001 auf den Weg gebracht. Der Staat wird zum Schutze des Allgemeinwohls den Teil der Notfallfürsorge übernehmen. Diese Notfallfürsorge wird für den Bürger kostenlos sein und dem Bürger in staatlichen Polikliniken zur Verfügung stehen, aber keine Heilfürsorge beinhalten.
Die Heilung von Krankheiten: eine Heilfürsorge wird durch private Krankenkassen gewährleistet, die wie jedes andere Unternehmen auch ihre Tätigkeit nach dem zu erwirtschaftenden Gewinn ausrichten werden.
Ein staatlich finanziertes Heilsystem wird keine gesellschaftliche Akzeptanz haben, da die allermeisten Krankheiten eine Folge der persönlichen Lebensführung sind und somit die Sozialgemeinschaft für die Unzulänglichkeiten des Einzelnen nicht verantwortlich gemacht werden kann.
Die Heilfürsorge der Krankenkassen wird, um kalkulatorisch feste Größen zu erreichen und betriebswirtschaftliche Verluste zu verhindern, gemäß einem Kreditsystem arbeiten. Sie werden die geldlichen Aufwendungen für die Heilung von versicherten Kranken diesem Kreditieren. Jeder wird also frei entscheiden können welche finanziellen Lasten er für die Wiederherstellung seiner Gesundheit aufbringen will. Diese Kosten werden, sofern die persönlichen Lebensumstände des Kranken einen Kredit zulassen, von der Krankenkasse vorfinanziert und dem, dann wieder Gesunden, in Rechnung gestellt. Um ungebührliche soziale Härten zu vermeiden, wird es möglich sein auch bei mangelnder Kreditwürdigkeit eine solche Finanzierung durch Bürgschaften oder Kostenübernahmeerklärungen der Familie oder anderer zu erreichen.

Der Sozialchip
Eines der großen Themen der Zukunft im Jahre 2050 wird die Sensibilisierung der Einzelnen für die Ziele des Allgemeinwohls und des damit möglichen Missbrauchs der Sozialgemeinschaft sein. Um diesem Missbrauch entgegen zu wirken, wird sich ein System etabliert haben, welches bereits Mitte der 1990 er Jahre bei Hunden Standard wurde und im Jahre 2003 in die ersten Großversuche als Abrechnungssystem für Diskotheken ging und jeglichen Missbrauch erheblich erschweren wird.
Der Sozialchip ist ein unter die Haut implantierter Chip, auf dem alle personenbezogenen Daten gespeichert sind und der mittels Scannern ausgelesen werden kann. Um einkaufen zu gehen, werden wir kein Bargeld und keine Kreditkarte mehr benötigen. Die Kasse wird automatisch unseren Chip erkennen und den Einkauf vom Konto abbuchen. Auch Personalausweise, Führerscheine, Mitgliedsausweise oder Krankenkassenkarten werden nicht mehr nötig sein. Überall wo wir hingehen wird der Chip erkannt und unsere Berechtigung überprüft. Hierdurch wird auch eine genaue Abrechnung der Arbeitszeit möglich sein, da der automatisierte Arbeitsplatz nur Arbeitszeit verbucht, wenn er den Chip erreichen kann. Auch die Sicherheit wird sich vermeintlich deutlich erhöhen, da unsere Wohnung, unser Auto sich nur öffnet, wenn der berechtigte Chip in der Nähe ist. Der Staat kann dadurch die öffentliche Sicherheit und Ordnung gewährleisten, da ihm jegliche Informationen zum Leben eines Einzelnen zur Verfügung stehen und da er Gesetzesbrecher nicht nur überall orten kann, sondern auch an jeden Ort einschließen oder ausschließen kann, indem er den Chip sperrt.

Sicherlich wird es noch viele weitere Änderungen in einem Leben im Jahre 2050 in Bezug zu einem Leben heute geben, die sich allein schon aus den technischen Errungenschaften der Zukunft ergeben werden. Diese aber vermag ich nicht zu prophezeien. Die offensichtlich auf uns zukommenden Veränderungen, die ich hier benannt habe, basieren nicht auf zukünftig etwaigen Möglichkeiten, sondern sind in ihren Grundzügen bereits heute vorhanden oder stehen auf den Wunschlisten der Wirtschaft und der Politik. Es wird sicher auch genügend Menschen geben, die sich schon jetzt mit solchen Vorstellungen anfreunden können, dennoch gilt es eine solche Welt zu verhindern.
Unsere Zukunft wird, sofern wir dieser Entwicklung nicht schon heute entschlossen entgegen treten, nicht plötzlich und unerwartet über uns herein fallen und sie liegt auch nicht so weit von uns entfernt, so dass nicht die meisten von uns diese nicht mehr erleben werden. Diese Zukunft hat bereits begonnen und sie verwirklicht sich jeden Tag ein Stück weiter, immer mit leisen Schritten, so dass ihr Kommen erst wahrgenommen wird, wenn sie bereits eingetreten ist und dann wird es zu spät sein. Diese Zukunft des perfekt organisierten und auf das Wirtschaftssystem angepassten Menschen entsteht nicht in den Planungszentralen böser Mächte und wird uns nicht von außen aufgedrängt, sie entsteht in den Köpfen jedes Einzelnen und äußerst sich durch Akzeptanz und Schweigen – sie ist wir. Sie wird das Ende jeder individuellen Freiheit, jeder Kreativität und jeder Kritik sein und sie wird unsere Denkweise so beeinflussen, dass wir nicht einmal mehr erkennen werden, was sie uns nimmt und wohin sie uns führt.